Munition fürs Volk

Ausschnitt der Überschrift es Artikels "Wie die Christen schon einmal die Türken schlugen" | Foto von Michael Renner

Beitrag erschienen bei der Flaschenpost.

„Battle of Lepanto 1571“ von Unbekannt – National Maritime Museum (BHC0261). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

„Battle of Lepanto 1571“ von Unbekannt – National Maritime Museum (BHC0261). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ist die Fortsetzung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) für den siebenten Tag der Woche. Heute dürfte vielen Lesern schon im Politikteil auf Seite zwei das Frühstück im Hals stecken bleiben. Denn im Artikel “Wie die Christen schon einmal die Türken schlugen” versucht AfD-Vize Adam die Erinnerung an die Seeschlacht von Lepanto wachzurufen. Die Absicht des AfD-Politikers ist leicht zu erraten.

Seine in diesem Artikel offenbarte altertümiche Geisteswelt hätte niemand ausgerechnet in der FAS vermutet. Sie besteht aus “Christen gegen Türken”, “alteingesessenen römischen Familien”, einer “Flagge aus weinrotem Brokat” und Honoratioren, die “wie von selbst auf die Vergangenheit zu sprechen kommen”. Das alles wird notdürftig in eine Rahmenhandlung mit Wissenschaftlern und einem “hochdotierten Preis” verpackt. Dazu kommt, dass Konrad Adam nur die halbe Geschichte erzählt. Denn 1571 starben in nur 5 1/2 Stunden 30.000 Soldaten des Osmanischen Reichs und 9.000 Soldaten der “heiligen Liga”. Vor diesem Hintergrund erscheint die Formulierung der Überschrift “schon einmal” maximal befremdlich.

Es ist schockierend, dass Konrad Adam, Vorstandsmitglied der natialkonservativen AfD und bekennender Unterstützer der PEGIDA-Demonstrationen, in der FAS Raum geboten wird, um den auf Dresdens Strassen ausgerufenen Kulturkampf “wir gegen die” mit 444 Jahre alten Schlachterzählungen zu befeuern. Adams Artikel verrät seine in der Vergangenheit verhaftete Geisteswelt aus Heldentaten, Honoratioren und Entscheidungsschlachten.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob morgen Abend bei den “Wir sind das Volk”-Rufern in Dresden Elemente der “Türkenkriege” auf Transparenten auftauchen. Denn dann war Adams kurzer Artikel nichts anderes als Munition fürs Volk.


Kommentare

2 Kommentare zu Munition fürs Volk

  1. nioweb schrieb am

    Lieber Michael Renner! Schon mal gelesen, was Piraten so von sich geben? Wann kommt der Artikel in der Flaschenpost über die Pegida-Verharmloser in der eigenen Partei? Gar nicht. Weil es so viel angenehmer ist, auf andere zu zeigen.

    • Moin, glaub mir: noch am selben Tag, an dem ein Vorstandsmitglied der Piratenpartei in einer Zeitung mit der Reichweite der FAS (oder selbst nur der Reichweite oder Relevanz der Bäckerblume) etwas derartiges absondert, erschiene solch ein Artikel in der Flaschenpost. Einzelnen Piraten ohne Einfluss, selbst auf Twitter ohne Gefolgschaft, mag ich dafür keine Publicity geben.

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